Digitale Datensouveränität beschreibt die Fähigkeit von Organisationen, Daten und IT-Systeme selbstbestimmt, sicher und nachvollziehbar zu steuern. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Kontrolle, der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Datenhoheit sowie der Abhängigkeit von Technologien und Anbietern. Der Beitrag ordnet den Begriff fachlich ein, beleuchtet typische Herausforderungen und zeigt konkrete Handlungsfelder, mit denen sich Datensouveränität im Alltag stärken lässt – von Transparenz über Systeme und Datenflüsse bis hin zu Verschlüsselung, klaren Zuständigkeiten und vorbereiteten Wechselstrategien.
Was ist digitale Datensouveränität?
Digitale Datensouveränität beschreibt die Fähigkeit von Organisationen, ihre digitalen Daten und die dazugehörigen IT-Systeme kontrolliert, nachvollziehbar und eigenständig zu steuern. Im Kern geht es darum, Entscheidungen nicht nur „technisch möglich“, sondern auch rechtlich belastbar, organisatorisch geregelt und langfristig tragfähig zu treffen, insbesondere im Hinblick auf DSGVO und Compliance.
Dazu gehört insbesondere:
➡️ wo Daten gespeichert werden und welche Daten in welchem Umfeld betrieben werden (IT-Infrastrukturen)
➡️ wer Zugriff erhält, wie Zugriffe vergeben werden und wie sie überprüfbar bleiben
➡️ wie Daten verarbeitet und weitergegeben werden, inklusive Schnittstellen und Subdienstleistern
➡️ welche Rechtsräume und Rahmenbedingungen gelten, etwa Datenschutz, Auftragsverarbeitung und internationale Abhängigkeiten
➡️ wie wechselbar Technologien und Anbieter sind, inklusive Exit-Strategien, Datenexport und Migrationsszenarien
Auf Bundesebene wird digitale Souveränität als die Fähigkeit verstanden, die eigene Rolle in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher auszuüben. Übertragen auf Organisationen bedeutet das: Wer Datenflüsse, Systeme und Abhängigkeiten nicht transparent steuern kann, verliert Handlungsspielraum, etwa bei Sicherheitsvorfällen, regulatorischen Anforderungen oder notwendigen Technologiewechseln.
Digitale Datensouveränität ist damit weniger ein einzelnes Produktmerkmal, sondern ein Zusammenspiel aus Technik, Prozessen und Verantwortlichkeiten, welches die Entscheidungs- und Reaktionsfähigkeit im Alltag stärkt.
Warum digitale Datensouveränität jetzt relevant ist
- 96 % der Unternehmen in Deutschland beziehen digitale Technologien oder Services aus dem Ausland
- 90 % der Unternehmen, die importieren, sehen sich selbst als stark oder eher abhängig
- 60 % erwarten in den nächsten fünf Jahren eine weiter steigende Abhängigkeit
Digitale Datensouveränität ist kein Cloud-Gegensatz
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Datensouveränität automatisch „weg von der Cloud“ bedeutet. Tatsächlich ist die Cloud für viele Organisationen ein sinnvoller Baustein, vorausgesetzt, sie wird gezielt, transparent und steuerbar eingesetzt. Datensouveränität entscheidet sich nicht am Betriebsort, sondern daran, wie gut sich Datenflüsse, Zugriffe und Abhängigkeiten schützen und kontrollieren lassen.
Souveräne IT-Strategien zeigen sich in der Praxis vor allem durch klare Leitplanken:
- Architektur mit Plan: Workloads werden bewusst platziert, Schnittstellen sind definiert und kritische Komponenten sind nicht unnötig an einen einzelnen Anbieter gebunden.
- Datenklassifizierung als Grundlage: Es ist festgelegt, welche Daten besonders schutzbedürftig sind, wo sie verarbeitet werden dürfen und welche Sicherheitsmaßnahmen dafür gelten.
- Transparente Anbieter- und Vertragsmodelle: Zuständigkeiten, Subdienstleister, Support- und Sicherheitszusagen sowie Prüf- und Auskunftsrechte sind nachvollziehbar geregelt.
- Wechselbarkeit als Prinzip: Technische und organisatorische Exit-Optionen sind vorbereitet, inklusive Datenexport, Dokumentation von Abhängigkeiten und realistischen Migrationsszenarien.
Cloud-, Hybrid- und On-Premise-Modelle lassen sich dabei sinnvoll kombinieren. Entscheidend ist, dass die Organisation jederzeit nachvollziehen und steuern kann, wo Daten liegen, wer sie nutzen darf und wie ein Wechsel möglich ist, ohne den Betrieb zu gefährden.
Zentrale Handlungsfelder für mehr Datensouveränität
Aus fachlicher Praxis lassen sich mehrere zentrale Handlungsfelder identifizieren, in denen Lösungen für mehr Datensouveränität ansetzen:
- vollständiger Überblick über Geräte, Betriebssysteme und Software
- konsistente Sicherheits- und Konfigurationsrichtlinien
- nachvollziehbare Zuständigkeiten
- Einsatz offener Standards und Schnittstellen
- Co-Management und gezielte Diversifizierung
- Vermeidung technischer Monokulturen
- Berücksichtigung von EU-Datenschutz- und Sicherheitsstandards (DSGVO)
- transparente Informationen zu Datenverarbeitung und Subdienstleistern
- bewusste Entscheidung über Speicherorte
- eigene Schlüssel- und Zugriffskonzepte
- Trennung sensibler und weniger kritischer Daten zum Schutz geschäftskritischer Informationen
- technische und organisatorische Vorbereitung auf Anbieterwechsel
- dokumentierte Datenflüsse und Abhängigkeiten
- realistische Migrationsszenarien
- vertragliche Regelungen zu Datenzugriffen und Sicherheitsstandards
- Transparenz über internationale Abhängigkeiten
Wie unsere Leistungen Datensouveränität unterstützen
360° IT-Betreuung: Steuerbarkeit statt Einzelmaßnahmen
- konsistente System- und Sicherheitsstandards
- klare Betriebs- und Verantwortungsmodelle
- saubere Dokumentation von Abhängigkeiten und Datenflüssen
- stabile Betriebsprozesse für Cloud-, Hybrid- und On-Premise-Umgebungen
baramundi: Operative Grundlage für Transparenz und Kontrolle
- vollständige Transparenz über Endgeräte, Betriebssysteme und Software
- kontrollierte Softwareverteilung und Patch-Prozesse
- einheitliche Sicherheits- und Konfigurationsrichtlinien zur Compliance-Untestützung
- Unterstützung von Co-Management- und Diversifizierungsansätzen
Fazit
Digitale Datensouveränität ist kein abstraktes Zukunftsthema, sondern ein konkreter Faktor für Stabilität, Sicherheit und Entscheidungsfreiheit im laufenden Betrieb. Wer Daten, Systeme und Abhängigkeiten transparent erfasst und gezielt steuert, schafft die Grundlage für verlässliche Entscheidungen – auch bei Störungen, neuen Anforderungen oder notwendigen Technologiewechseln.
Organisationen gewinnen dadurch:
- mehr Kontrolle über Zugriffe, Datenflüsse und Betriebsmodelle
- eine bessere Risikoeinschätzung durch nachvollziehbare Abhängigkeiten und klare Zuständigkeiten
- höhere Flexibilität bei Anpassungen, Migrationen und Anbieterwechseln
- langfristige Planungssicherheit durch definierte Standards, Verträge und Exit-Strategien
Häufige Fragen zur Digitalen Datensouveränität
Was ist der Unterschied zwischen Datenschutz und Datensouveränität?
Datenschutz regelt den rechtlich korrekten Umgang mit personenbezogenen Daten. Datensouveränität geht weiter und umfasst die strategische Kontrolle über Daten, Systeme und Abhängigkeiten.
Ist digitale Datensouveränität nur für große Organisationen relevant?
Nein. Gerade Organisationen mit begrenzten Ressourcen profitieren von klaren Strukturen, Transparenz und vorbereiteten Wechseloptionen.
Schließt Datensouveränität Cloud-Nutzung aus?
Nein. Entscheidend ist nicht die Cloud an sich, sondern die Frage, wie kontrollierbar, transparent und wechselbar sie eingesetzt wird.
Welche Rolle spielt Endpoint-Management für Datensouveränität?
Ohne Transparenz über Endgeräte, Software und Sicherheitszustände ist keine echte Kontrolle möglich. Endpoint-Management bildet häufig die operative Basis.
Wie lässt sich Datensouveränität konkret bewerten?
Über Kriterien wie Abhängigkeiten, Wechselbarkeit, Transparenz, Sicherheitsstandards und organisatorische Zuständigkeiten – idealerweise werden diese regelmäßig überprüft.